Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Kreisverband Oberhausen/Mülheim e. V.

Stadt Oberhausen will Radwegsquerung zurückbauen

Vorfahrt für Zweiradfahrer und -fahrerinnen soll nach mehreren Unfällen zurückgenommen werden. Gefährdendes Fehlverhalten wird belohnt.

In den letzten Jahren hat die Stadt Oberhausen die Infrastruktur für Radfahrerinnen und Radfahrer an vielen Kreuzungen verbessert, indem sie Querungen von wichtigen Radverkehrsrouten mit Fahrbahnen deutlich rot markiert hat und den Radverkehr auch vorfahrtsberechtigt hat. Nun erfolgt an der Fahnhorststrasse die Rolle rückwärts.

Wie den lokalen Medien zu entnehmen ist, wird dort auf Grund von zu vielen "Unfällen" (eigentlich eher fahrlässigen Körperverletzungen) nun wieder dem PKW Verkehr Vorfahrt eingeräumt. Im Bild ist das Lastenrad eines ADFC Mitglieds zu sehen, der an dieser Stelle stürzte - als er mit einer Notbremsung einen Zusammenprall mit einem PKW verhindern wollte.

Laut Presse gab es an dieser Stelle bereits sechs "Unfälle" mit teils schwer verletzten Zweiradfahrern und -fahrerinnen. Die immer wieder gebrachte Ausrede ist, dass an dieser Stelle der Zweiradverkehr schwer einzusehen ist und daher die Zweiradfahrer und -fahrerinnen zu spät wahrgenommen werden können.

Dabei ist die Straßenverkehrsordnung in diesem Punkt sehr eindeutig formuliert, und zwar im § 8, Absatz 2:
"Wer die Vorfahrt zu beachten hat, muss rechtzeitig durch sein Fahrverhalten, insbesondere durch mäßige Geschwindigkeit, erkennen lassen, dass gewartet wird. Es darf nur weitergefahren werden, wenn übersehen werden kann, dass wer die Vorfahrt hat, weder gefährdet noch wesentlich behindert wird. Kann das nicht übersehen werden, weil die Straßenstelle unübersichtlich ist, so darf sich vorsichtig in die Kreuzung oder Einmündung hineingetastet werden, bis die Übersicht gegeben ist. Wer die Vorfahrt hat, darf auch beim Abbiegen in die andere Straße nicht wesentlich durch den Wartepflichtigen behindert werden."

So weit, so klar. Die logische Konsequenz wäre, dass die Stadt Oberhausen Maßnahmen ergreift, um die Stelle zu entschärfen und somit die Zweiradfahrer und -fahrerinnen  besser zu schützen. Die Landesverkehrswacht hat dazu sogenannte "Berliner Kissen" angeregt. Diese auf der Fahrbahn angebrachten Schwellen reduzieren das Tempo von Kraftfahrzeugen deutlich, so dass sie langsamer an die Querung heranfahren. Dies wäre auch für den sich dort direkt anschließenden Zebrastreifen eine durchaus sinnvolle Maßnahme.

Doch die Stadt macht leider das Gegenteil: Sie belohnt die KfZ-Fahrer und Fahrerinnen dafür, dass sie die Straßenverkehrsordnung missachten und dadurch Menschenleben gefährden. Die Vorfahrtsregelung für den Zweiradverkehr soll aufgehoben werden und der KfZ-Verkehr wieder Vorrang erhalten. Laut Presse soll sogar die Fahrbahnmarkierung entfernt werden, wobei unklar ist, um welchen Teil der Markierungen es sich handelt.

Hier werden Täter:innen belohnt und Opfer bestraft. Es wird die Stärke des Rechts durch das Recht des Stärkeren ersetzt. Begründet wird das auch noch mit der "Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer". Der Lerneffekt an dieser Stelle: "Je mehr Zweiradfahrer ich umfahre, desto eher bekomme ich meine Vorfahrt zurück".

Das Verhalten der Stadt an dieser Stelle macht wütend und kann nicht im Sinne einer ökologischen und modernen Verkehrspolitik sein.

Bleibt zu hoffen, dass für diesen Rückbau am Ende nicht auch noch Fördergelder zurückgezahlt werden müssen und es für die Oberhausener Bürgerinnen und Bürger noch teurer kommt als der Rückbau ohnehin schon wird.

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https://ob-mh.adfc.de/artikel/stadt-oberhausen-will-radwegsquerung-zurueckbauen

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