
Neubau der A40-Brücken in MH: Chancen für den Radverkehr nutzen!
Die Brücken der A40 in Mülheim Heißen werden nun plötzlich unabhängig von dem geplanten sechsstreifigen Ausbau neu gebaut. Was bedeutet das für den Radverkehr und den RS1?
Auf der A40 zwischen Duisburg, Mülheim und Essen beginnt in Kürze der Neubau der Hardenbergbrücke über die Bahnlinie und den Radschnellweg Ruhr (RS1) sowie der angrenzenden Brücke über die Geitlingstraße. Bauvorbereitungsarbeiten haben bereits begonnen. Der Radschnellweg ist mitten drin und der Baustellenverkehr bringt viel Schmutz und Verkehr. Die Bauarbeiten sind notwendig, weil die bestehenden Bauwerke ihre Lebensdauer überschritten haben. Gleichzeitig sind sie Teil der Vorbereitungen für den geplanten sechsstreifigen Ausbau der Autobahn. Für den Radverkehr – insbesondere für den RS1 – bringt das Projekt wohl erhebliche Defizite mit sich.
RS1 bleibt nutzbar – ein wichtiger Fortschritt
Positiv ist: Für den RS1 wurde im Bereich der Hardenbergbrücke bereits Anfang April provisorisch ein neuer Weg näher an die Bahnlinie gebaut. Dadurch kann der Radschnellweg wohl ebenso wie die Eisenbahnstrecke selbst trotz der Bauarbeiten weiter genutzt werden. Das zeigt, dass Radverkehr bei Infrastrukturprojekten berücksichtigt werden kann – wenn dies frühzeitig eingeplant wird. Gerade für Pendelnde ist das entscheidend: Der RS1 ist die zentrale Verbindung im Ruhrgebiet und muss auch während Baustellen durchgehend nutzbar bleiben und als attraktive Alternative zum Stau auf der A40 dienen.
Problematisch scheint hingegen die Situation an der Geitlingstraße. Die derzeit stark frequentierte Zufahrt zwischen RS1 und dem Zubringer Richtung Heißen Mitte scheint während der Bauphase scheinbar nicht nutzbar zu sein. Möglicherweise wird die bestehende Verbindung stark eingeschränkt oder faktisch unbrauchbar. Damit geht eine wichtige Verknüpfung zwischen dem RS1 und dem lokalem Straßennetz verloren. Umwege über die anderen Rampen in Heißen oder Eppinghofen sind erheblich und führen durch schwierige städtische Straßen.
Unsere Forderung: Es braucht eine provisorische oder sogar dauerhafte Lösung zum Beispiel aus Fahrtrichtung Essen, um die Erreichbarkeit aufrechtzuerhalten. Dies würde auch, wenn langfristig umgesetzt, die immerwährende Konfliktistuation für Radelnde mit dem LKW-Verkehr der anliegenden Baufirma Fenten lösen! Denn ein gutes Radverkehrsnetz zeichnet sich dadurch aus, dass Ziele jederzeit erreichbar bleiben, keine Lücken entstehen und die Wege gefahrarm genutzt werden können.
Besonders kritisch ist bereits heute die Unterführung der neu zu bauenden Brücke an der Geitlingstraße: Diese ist viel zu schmal für den Begegnungsverkehr. Konflikte zwischen Kfz-, Fuß- und Radverkehr sind alltäglich. Die derzeitige Radführung ist unterirdisch und durch Kreuzungspflicht und Enge gefährlich, es ist kein Platz für (beidseitige) Rad- und Fußwege. Der Plan auf der Webseite der Autobahn GmbH lässt vermuten, dass wieder in gleicher Breite gebaut wird. Die Stadt Mülheim muss sicherstellen, dass im Zuge der Erneuerung die Brücke deutlich breiter gebaut wird und beidseitige Rad- und Fußwege eingebracht werden können. Hier wird sonst eine bekannte Problemstelle nicht behoben, sondern für Jahrzehnte festgeschrieben – obwohl jetzt die Gelegenheit bestünde, sie grundlegend zu lösen.
Verkehrswende sieht anders aus
Während für den Autoverkehr „100 Jahre Ruhe“ durch den Brückenbau in Aussicht gestellt werden, bleibt der Radverkehr mit einer Engstelle zurück, die schon heute nicht den Anforderungen entspricht.
Das widerspricht zentralen Zielen moderner Verkehrsplanung:
- sichere Infrastruktur für alle
- konfliktarme Führung
- attraktive Bedingungen für Menschen, die Rad fahren
Gerade auf einem Radschnellweg wie dem RS1 und seinen Zubringern müssen hohe Qualitätsstandards gelten.
Fazit: Jetzt nachbessern!
Der Neubau der A40-Brücken bietet die Chance, die Infrastruktur im Ruhrgebiet nachhaltig zu verbessern. Diese Chance darf nicht einseitig zugunsten des Autoverkehrs genutzt werden.
Unsere zentralen Forderungen:
- Durchgängige Nutzbarkeit des RS1 während der gesamten Bauzeit
- Anbindung an die Geitlingstraße unabhängig vom LKW-Verkehr
- Deutliche Verbreiterung und sichere Gestaltung der Unterführung Geitlingstraße
Nur so entsteht Infrastruktur, die wirklich „für alle“ funktioniert.
Peter Beckhaus








