Radinfrastruktur Oberhausen Teutoburger Straße 2021

Radinfrastruktur Oberhausen Teutoburger Straße 2021 © ADFC OB

ADFC Fahrradklimatest 2020: Oberhausen sinkt ab

 

Vor Jahren noch gut benotet, verliert die Stadt Oberhausen zunehmend ihren Kredit in der Bevölkerung, in ihrer Ortsgrößenklasse liegt sie bundesweit nur noch auf Platz 12.

 

Vor Jahren noch gut benotet, verliert die Stadt zunehmend ihren Kredit in der Bevölkerung, in ihrer Ortsgrößenklasse liegt sie bundesweit nur noch auf Platz 12. Andere Städte ziehen an ihr vorbei, weil sie mehr für das Radfahren tun. 471 Oberhausener/innen nahmen an der Beurteilung teil, deutlich mehr als in den zurückliegenden Befragungsjahren und gaben der Stadt für ihre Radverkehrsarbeit ein klägliches „ausreichend“ (4,0).

Bei den klassischen Problemfeldern hat sich aus Sicht der Bürgerinnen und Bürger seit 2018 nichts getan: Reinigung und Winterdienst der Radwege, Falschparkerkontrolle, Baustellenführung oder Ampelschaltung für Radfahrende. Das Sicherheitsgefühl beim Radfahren geht weiter zurück, Konflikte mit Autofahrern werden größer, das Fahren im Mischverkehr wird immer unbeliebter. Die Infrastruktur erhält weiter schlechtere Noten, Breiten und Oberfläche von Radwegen werden zunehmend schlechter bewertet.

Gibt es auch Lichtblicke? Leider nur sehr wenige. Angemerkt wird, dass im Zuge der Pandemie mehr Menschen mit dem Rad unterwegs waren, auch weil mehr Werbung fürs Radfahren gemacht wurde. Aber nur 13% meinen, dass von der Politik etwas zur Überwindung der Pandemie für das Radfahren unternommen wurde, ; 80% glauben nicht, dass mehr Politiker das Radfahren entdeckt haben. Für 70% der Menschen in Oberhausen ist aber klar: die Bedeutung des Radfahrens ist gestiegen.

Neben der Vergabe von Schulnoten zu den verschiedenen Themenbereichen gab es auch die Möglichkeit, persönliche Kommentare zu übermitteln. Das haben 212 Teilnehmende genutzt, um die eigene Meinung sehr anschaulich zum Ausdruck zu bringen. Diese decken sich mit den Schulnoten zu den einzelnen Themen z.B. Ampelschaltungen (4,6) oder Falschparkerkontrolle (5,0).

Folgende Problemrangliste hat sich nach Auswertung der Kommentare ergeben (Rangliste der Nennungen):

  • 24x      schlechte Ampelschaltungen
  • 16x      Schutzstreifen zu gefährlich
  • 13x      Falschparker
  • 9x        Radfahrer brauchen mehr Platz
  • 9x        Anbindung an den RS1 gewünscht
  • 7x        mehr autofreie Radwege
  • 7x        schlechte Baustellenführung
  • 7x        Bordsteinabsenkungen oft nicht ausreichend
  • 6x        Radwege besser reinigen
  • 5x        Radwelle funktioniert nicht
  • 5x        bessere Radwege in der Innenstadt
  • 4x        Fahrradstraßen fehlen
  • 4x        neuer Radweg Teutoburger Straße ist sehr gut
  • 4x        Mülheimer Straße hat keinen durchgehenden Radweg

Einige ausgewählte Kommentare verdeutlichen die derzeitige Stimmungslage (ausgewählte Kommentare (keine Fehlerkorrekturen)):

  • In der Innenstadt ist es lebensgefährlich zu fahren, weil es so gut wie keine Fahrradwege gibt.
  • Die Politik in den Kommunen muß aber dafür sorgen dass der Verkehrsraum gleichberechtigt verteilt wird. Das heißt das KFZ muß Platz abgeben an Rad, Fußverkehr um unsere Städte lebenswerter und sauberer zu bekommen.
  • Dem Autoverkehr wird leider immer noch Vorrang gegeben. Mit mehr Fantasie und entsprechendem Willen könnte viel mehr für Radfahrer getan werden.
  • Der öffentliche Parkraum für Pkw muss dringend eingeschränkt werden zugunsten des Rades!
  • Die Ausweisung von Oberhausen als fahrradfreundliche Stadt ist ein Witz.
  • Die neuen Fahrradspuren auf der Teutoburger Straße sind super.
  • Fahrradweg müssen Z W I N G E N D vom restlichen Verkehr getrennt sein, siehe die Niederlande.
  • Die Stadt ist wegen des Strukturwandels arm. Dennoch werden die knappen Mittel überwiegend in Verkehrswege für Autos gepumpt. Finde ich eigentlich nicht mehr hinnehmbar.
  • Ohne einen Rückbau der MIV-Infrastruktur sind Verbesserungen für Fahrradfahrer nicht möglich.
  • Es ist alles ok, könnte aber immer etwas besser sein.
  • Es tut sich was, aber viel zu wenig und zu langsam.
  • Fazit: Radfahren in der Oberhausener Innenstadt ist alles andere als entspannt, schön oder ungefährlich.
  • Auf der Falkensteinstraße Ecke Mülheimer Straße Richtung Knappenviertel ist eigentlich ein Radschutzstreifen vorgesehen. Leider ist dieser mittlerweile bis zur Unkenntlichkeit abgefahren.
  • Bin täglich mit dem Auto unterwegs und beobachte immer wieder in welche Gefahren die Radfahren durch zu schnelle Autofahrer kommen.
  • Radfahrer müssen auf der Straße neben einer Linie fahren obwohl LKWs mit über 50 km/h an einem vorbei rasen.  Leider unterstützt der ADFC anscheint mehr die schnellen Fahrradfahrer mit seiner Meinung zu Radfahrstreifen.
  • Wir freuen uns jedesmal auf unseren Hollandurlaub mit einer wirklich intelligenten und gleichberechtigten Infrastruktur.
  • Der Verkehrspolizist vor der Schule sagte dazu, dass wegen zu weniger Parkplätze in diesem Wohngebiet das Parken auf Gehwegen toleriert wird. Von offizieller Seite wird das nicht kommentiert.

Handlungsbedarf wird von fast allen Teilnehmenden gesehen, der jedoch Geld zur Umsetzung erfordert, das im Haushalt bereitgestellt werden müsste. Dies haben aber gerade SPD und CDU verhindert.

Stattdessen befindet sich im Haushalt 2021 die unglaubliche Summe von 400.000 Euro für den Bau von Parkplätzen an der Erlenstraße in Sterkrade. Die Notwendigkeit einer schnellen Verkehrswende ist bei den beiden großen Parteien in Oberhausen noch nicht angekommen. 

Die fehlende Falschparkerkontrolle in Oberhausen wird mittlerweile selbst von der Polizei bemängelt. Das gilt wohl auch für das Parken auf Gehwegen, wie der letzte Kommentar nahelegt.

Neben aller Kritik gibt es für eine Maßnahme ausdrücklich viel Lob. Dies betrifft die neue Radverkehrsanlage auf der Teutoburger Straße mit ihrer besonderen Breite, der roten Einfärbung und dem Abstand zu den parkenden Fahrzeugen. Ein solches Lob für eine einzelne Maßnahme ist sehr ungewöhnlich und hat es auch so in den vergangenen Umfragen nicht gegeben.

 


https://ob-mh.adfc.de/pressemitteilung/adfc-fahrradklimatest-2020-oberhausen-sinkt-ab-ins-mittelfeld

Häufige Fragen von Alltagsfahrer*innen

  • Was macht der ADFC?

    Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club e.V. (ADFC) ist mit bundesweit mehr als 190.000 Mitgliedern, die größte Interessenvertretung der Radfahrerinnen und Radfahrer in Deutschland und weltweit. Politisch engagiert sich der ADFC auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene für die konsequente Förderung des Radverkehrs. Er berät in allen Fragen rund ums Fahrrad: Recht, Technik, Tourismus.

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  • Was bringt mir eine ADFC-Mitgliedschaft?

    Radfahren muss sicherer und komfortabler werden. Wir nehmen dafür – auch Dank Ihrer Mitgliedschaft – nicht nur Einfluß auf Bundestagsabgeordnete, sondern setzen uns auf Landes- und Kommunalebene für die Interessen von Radfahrern ein. Für Sie hat die ADFC Mitgliedskarte aber nicht nur den Vorteil, dass wir uns für einen sicheren und komfortablen Radverkehr einsetzen: Sie können egal, wo Sie mit Ihrem Fahrrad unterwegs sind, deutschlandweit auf die AFDC-Pannenhilfe zählen. Außerdem erhalten Sie mit unserem zweimonatlich erscheinenden ADFC-Magazin Information rund um alles, was Sie als Radfahrer politisch, technisch und im Alltag bewegt. Zählen können ADFC-Mitglieder außerdem auf besonders vorteilhafte Sonderkonditionen, die wir mit Mietrad- und Carsharing-Anbietern sowie Versicherern und Ökostrom-Anbietern ausgehandelt haben. Sie sind noch kein Mitglied?

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  • Was muss ich beachten, um mein Fahrrad verkehrssicher zu machen?

    Wie ein Fahrrad verkehrstauglich auszustatten ist, legt die Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO) fest. Vorgesehen sind darin zwei voneinander unabhängige Bremsen, die einen sicheren Halt ermöglichen. Für Aufmerksamkeit sorgen Radler*innen mit einer helltönenden Klingel, während zwei rutschfeste und festverschraubte Pedale nicht nur für den richtigen Antrieb sorgen. Je zwei nach vorn und hinten wirkende, gelbe Rückstrahler an den Pedalen stellen nämlich darüber hinaus sicher, dass Sie auch bei eintretender Dämmerung gut gesehen werden können. Ein rotes Rücklicht erhöht zusätzlich die Sichtbarkeit nach hinten und ein weißer Frontscheinwerfer trägt dazu bei, dass Radfahrende die vor sich liegende Strecke gut erkennen. Reflektoren oder wahlweise Reflektorstreifen an den Speichen sind ebenfalls vorgeschrieben. Hinzu kommen ein weißer Reflektor vorne und ein roter Großrückstrahler hinten, die laut StVZO zwingend vorgeschrieben sind.

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  • Worauf sollte ich als Radfahrer achten?

    Menschen, die Rad fahren oder zu Fuß gehen, gehören zu den ungeschützten Verkehrsteilnehmern. Sie haben keine Knautschzone – deshalb ist es umso wichtiger, sich umsichtig im Straßenverkehr zu verhalten. Dazu gehört es, selbstbewusst als Radfahrender im Straßenverkehr aufzutreten, aber gleichzeitig defensiv zu agieren, stets vorausschauend zu fahren und mit Fehlern von anderen Verkehrsteilnehmern zu rechnen.Passen Sie Ihre Fahrweise der entsprechenden Situation an und verhalten Sie sich vorhersehbar, in dem Sie beispielsweise Ihr Abbiegen durch Handzeichen ankündigen. Halten Sie Abstand von Lkw, Lieferwagen und Kommunalfahrzeugen. Aus bestimmten Winkeln können Fahrer nicht erkennen, ob sich seitlich neben dem Lkw Radfahrende befinden. Das kann bei Abbiegemanövern zu schrecklichen Unfällen führen. Beachten Sie immer die für alle Verkehrsteilnehmer gültigen Regeln – und seien Sie nicht als Geisterfahrer auf Straßen und Radwegen unterwegs.

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  • Was ist der Unterschied zwischen Pedelecs und E-Bikes?

    Das Angebot an Elektrofahrrädern teilt sich in unterschiedliche Kategorien auf: Es gibt Pedelecs, schnelle Pedelecs und E-Bikes. Pedelecs sind Fahrräder, die durch einen Elektromotor bis 25 km/h unterstützt werden, wenn der Fahrer in die Pedale tritt. Bei Geschwindigkeiten über 25 km/h regelt der Motor runter. Das schnelle Pedelec unterstützt Fahrende beim Treten bis zu einer Geschwindigkeit von 45 km/h. Damit gilt das S-Pedelec als Kleinkraftrad und für die Benutzung sind ein Versicherungskennzeichen, eine Betriebserlaubnis und eine Fahrerlaubnis der Klasse AM sowie das Tragen eines Helms vorgeschrieben. Ein E-Bike hingegen ist ein Elektro-Mofa, das Radfahrende bis 25 km/h unterstützt, auch wenn diese nicht in die Pedale treten. Für E-Bikes gibt es keine Helmpflicht, aber Versicherungskennzeichen, Betriebserlaubnis und mindestens ein Mofa-Führerschein sind notwendig. E-Bikes spielen am Markt keine große Rolle. Dennoch wird der Begriff E-Bike oft benutzt, obwohl eigentlich Pedelecs gemeint sind – rein rechtlich gibt es große Unterschiede zwischen Pedelecs und E-Bikes.

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  • Gibt es vom ADFC empfohlene Radtouren für meine Reiseplanung?

    Wir können die Frage eindeutig bejahen, wobei wir Ihnen die Auswahl dennoch nicht leicht machen: Der ADFC-Radurlaubsplaner „Deutschland per Rad entdecken“ stellt Ihnen mehr als 165 ausgewählte Radrouten in Deutschland vor. Zusätzlich vergibt der ADFC Sterne für Radrouten. Ähnlich wie bei Hotels sind bis zu fünf Sterne für eine ausgezeichnete Qualität möglich. Durch die Sterne erkennen Sie auf einen Blick mit welcher Güte Sie bei den ADFC-Qualitätsradrouten rechnen können.

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